Usenet:
Die SP war eine Klientelpartei. Sie hat von der Wiege bis zur Bahre den Lebensweg der Leute und ihren Lebensentwurf gestaltet und garantiert. Sie hat die "Leute aus dem Gemeindebau" so auch in Abhängigkeit, in einer Art Versorgungsstatus gehalten. Wer eine Wohnung braucht - die Partei. Wer einen Posten braucht - die Partei. Wer Karriere machen möchte - die Partei. Wer angeln geht - die Partei. Wer Zeitung liest - die AZ

Von: Gustav Glaser - Profil anzeigen
Datum: Mo 11 Mai 1998 00:00
E-Mail: Gustav.Gla...@blackbox.at (Gustav Glaser)
Gruppen: at.blackbox.gruene.wien.diskussionen

Not yet ratedBewertung:
Optionen anzeigen
Antwort an Autor| Weiterleiten| Drucken| Einzelne Nachricht| Original anzeigen| Missbrauch melden|
Nachrichten dieses Autors suchen

Toby Heinisch writes:
>die frage, warum viele ehemalige spoe-waehlerInnen zur f gehen statt zu
>den gruenen.
Vielleicht eine Antwort, wo komplexere Antworten nötig zu sein
scheinen:
Die SP war eine Klientelpartei. Sie hat von der Wiege bis zur Bahre den
Lebensweg der Leute und ihren Lebensentwurf gestaltet und garantiert.
Sie hat die "Leute aus dem
Gemeindebau" so auch in Abhängigkeit, in
einer Art Versorgungsstatus gehalten. Wer eine Wohnung braucht - die
Partei. Wer einen Posten braucht - die Partei. Wer Karriere machen
möchte - die Partei. Wer angeln geht - die Partei. Wer Zeitung liest -
die AZ. Wer TV schaut - FS1 und FS2. Wer Radion hört - Radio Wien. Wer
Beamter werden will - die Partei. usw.usf..

Die SP kann ihrer Klientel immer weniger bieten. Selbst die
Gemeindewohnungen werden nach einem Schlüssel an Inländerr vergeben.
Die Arbeitsplätze sind weniger geworden, sie werden ööfter gewechselt.
Das Mileu ist zerfallen.

Übriggeblieben sind die Menschen, die in diesem Mileu großgeworden
sind, auf es als soziales Netz und Subsistenz angewiesen waren und
sind. Die, die's gern so hätten, wie vor dreißig oder mehr Jahren. Die,
die in ihrer Lebensplanung und in ihrer Existenzabsicherung von der SP
völlig allein gelassen werden. Die, die den Eindruck haben, daß
heutzutage für alle anderen, besonders für die Fremdfen und Ausländer,
alles getan wird, für sie aber nix.

Die FP sagt: Für die ehrlichen Hackler, für die Baraber und so sind sie
da. Es soll wieder so gut werden, wo die Bonzen nicht waren, sondern
die volksverbundenen Politiker, die Kaiser (aus Bezirk und Betrieb),
jeder sein Sichres auf die gwaschne Hand krieagt hat. "Herr Doktor
erinnerns ihna no ans 12er Jahr...".

Und das restliche alleingelassene Mileu wählt zum zweitenmal in der
Geschichte, diesmal nicht die Abhängigkeit vom Parteisystem der SP als
Lebensraum, sondern die historische Farce.
In diese Richtung scheints mir zu gehen und denke ich, daß die
Antworten liegen.
Die politische Gegenstrategie liegts sicherlich darin, nicht das
Soziale Netz aufzutröseln, sondern es zu stärken und mit Überlebens-
und v.a. Lebensmöglichkeiten zu versehen. In der Tat auch eine Politik
zu machen für die Zukurzgekommenen. Fairteilen auch mit ihnen. Aber sie
nicht in die Abhängigkeit des Klientel zu treiben, sondern sie auch
sozialpolitisch zu emanzipieren. Versorgung und Hilfe zur Selbsthilfe.
Oder: Manche Pensionistenclubs der Stadt würden selbst in Workuta ob
ihrer Ausstattung und Lieblosigkeit Protest hervorrufen.
--
***********************Black*Box Online Community***********************
* palazzo - die virtuelle Bastelwelt | http://www.blackbox.at/palazzo/ *
************************************************************************
Black*Box FirstClass BBS: +43-1-4073132 (Modem) | http://www.blackbox.at


Von: Toby Heinisch - Profil anzeigen
Datum: Mo 11 Mai 1998 00:00
E-Mail: t...@blackbox.at (Toby Heinisch)
Gruppen: at.blackbox.gruene.wien.diskussionen

Not yet ratedBewertung:
Optionen anzeigen
Antwort an Autor| Weiterleiten| Drucken| Einzelne Nachricht|
Original anzeigen| Missbrauch melden|
Nachrichten dieses Autors suchen

- Zitierten Text ausblenden -
- Zitierten Text anzeigen -
Gustav Glaser writes: >Toby Heinisch writes:
>die frage, warum viele ehemalige spoe-waehlerInnen zur f gehen statt zu
>den gruenen.
>Vielleicht eine Antwort, wo komplexere Antworten nötig zu sein
>scheinen:
>Die SP war eine Klientelpartei. Sie hat von der Wiege bis zur Bahre den
>Lebensweg der Leute und ihren Lebensentwurf gestaltet und garantiert.
>Sie hat die "Leute aus dem
Gemeindebau" so auch in Abhängigkeit, in
>einer Art Versorgungsstatus gehalten. Wer eine Wohnung braucht - die
>Partei. Wer einen Posten braucht - die Partei. Wer Karriere machen
>möchte - die Partei. Wer angeln geht - die Partei. Wer Zeitung liest -
>die AZ. Wer TV schaut - FS1 und FS2. Wer Radion hört - Radio Wien. Wer
>Beamter werden will - die Partei. usw.usf..
>Die SP kann ihrer Klientel immer weniger bieten. Selbst die
>Gemeindewohnungen werden nach einem Schlüssel an Inländerr vergeben.
>Die Arbeitsplätze sind weniger geworden, sie werden ööfter gewechselt.
>Das Mileu ist zerfallen.
>Übriggeblieben sind die Menschen, die in diesem Mileu großgeworden
>sind, auf es als soziales Netz und Subsistenz angewiesen waren und
>sind. Die, die's gern so hätten, wie vor dreißig oder mehr Jahren. Die,
>die in ihrer Lebensplanung und in ihrer Existenzabsicherung von der SP >völlig allein gelassen werden. Die, die den Eindruck haben, daß
>heutzutage für alle anderen, besonders für die Fremdfen und Ausländer,
>alles getan wird, für sie aber nix.
>Die FP sagt: Für die ehrlichen Hackler, für die Baraber und so sind sie
>da. Es soll wieder so gut werden, wo die Bonzen nicht waren, sondern
>die volksverbundenen Politiker, die Kaiser (aus Bezirk und Betrieb),
>jeder sein Sichres auf die gwaschne Hand krieagt hat. "Herr Doktor
>erinnerns ihna no ans 12er Jahr...".
>Und das restliche alleingelassene Mileu wählt zum zweitenmal in der
>Geschichte, diesmal nicht die Abhängigkeit vom Parteisystem der SP als
>Lebensraum, sondern die historische Farce
>In diese Richtung scheints mir zu gehen und denke ich, daß die
>Antworten liegen.
>Die politische Gegenstrategie liegts sicherlich darin, nicht das
>Soziale Netz aufzutröseln, sondern es zu stärken und mit Überlebens-
>und v.a. Lebensmöglichkeiten zu versehen. In der Tat auch eine Politik
>zu machen für die Zukurzgekommenen. Fairteilen auch mit ihnen. Aber sie
>nicht in die Abhängigkeit des Klientel zu treiben, sondern sie auch >sozialpolitisch zu emanzipieren. Versorgung und Hilfe zur Selbsthilfe.
>Oder: Manche Pensionistenclubs der Stadt würden selbst in Workuta ob
>ihrer Ausstattung und Lieblosigkeit Protest hervorrufen.

mhm gute erklaerung fuer die staerke der f in aelteren
waehlerschichten. aber was is zb mit den jungen lehrlingen? die habn
die ganzen erfahrungen nie gemacht.
toby
--
... back on the continent on july 15 ...


Von: Toby Heinisch - Profil anzeigen
Datum: Mi 13 Mai 1998 00:00
E-Mail: t...@blackbox.at (Toby Heinisch)
Gruppen: at.blackbox.gruene.wien.diskussionen

Not yet ratedBewertung:
Optionen anzeigen
Antwort an Autor| Weiterleiten| Drucken| Einzelne Nachricht| Original anzeigen| Missbrauch melden| Nachrichten dieses Autors suchen

Gustav Glaser writes:
>Und dagegen [ die traurigen aussichten]
>protestieren und provozieren sie, da geht der Rechtspopulismus ab und
>rein. Und einzig der Westerthaler in die Berufsschule.
und wo bleiben die gruenen?
(kein geld, keine leute?)
toby
--
... back on the continent on july 15 ...


Von: Gustav Glaser - Profil anzeigen
Datum: Mi 13 Mai 1998 00:00
E-Mail: Gustav.Gla...@blackbox.at (Gustav Glaser)
Gruppen: at.blackbox.gruene.wien.diskussionen

Not yet ratedBewertung:
Optionen anzeigen
Antwort an Autor| Weiterleiten| Drucken| Einzelne Nachricht| Original anzeigen| Missbrauch melden| Nachrichten dieses Autors suchen

Toby Heinisch writes:
> was is zb mit den jungen lehrlingen?
Die sind im Kleingewerbe eine billige Arbeitskraft, die man nach der
Behaltefrist "freisetzen" kann. Die Jugendarbeitslosigkeit ist unter
den 19 bis 25jährigen am höchsten. Die werden in Berufen dual
ausgebildet, die sie nie mehr in ihrem Leben kriegen. Ab nächstem Jahr
nichteinmal mehr das, weil geschätzt wird, daß 4-5000 Lehrstellen
fehlen werden.

Da werden dann Hilfslehren oder Hilfsberufe erfunden; das ganze duale
System wankt, bleibt aber aufrecht.

Mit 19 oder 20 haben die dann Ex-Lehrlinge die Perspektive sich in
teuren WIFI oder BFI-Kursen neue berufliche Qualifikationen zu
verschaffen. Eine andere Ausbildung gibts vom AMS nur sehr schwer. Die
"Berufsnot der Jugend" hat das seit dem 10er-Jahr geheißen. Und die
Kids wissen über ihre mangelnde Zukunft. Sie wissen, daß sie einen
sozialen Status ganz unten haben, daß sie in dieser Gesellschaft
niemand braucht, weil man ihnen das schon mit 14 oder 15 im Grunde zu
verstehen gegeben hat. Sie waren in der HS, im Poly oder in der
Sonderschule. Sie wollen eine Familie, eine Wohnung und ein Auto. Sie
haben ganz kleine Wünsche für eine sichere Existenzgrundlage, Geld und
Zuneigung.
Kriegen tun sie ein mehr als mangelhaftes Ausbildungssystem, einen
Arbeitsmarkt, wo sie nicht benötigt werden und eine Lebensperspektive
die deshalb risikolos ist, weil nicht.
Und dagegen protestieren und provozieren sie, da geht der
Rechtspopulismus ab und rein. Und einzig der Westerthaler in die
Berufsschule.
Oder frag den Tsu Ber was er so hört und sieht.
--
***********************Black*Box Online Community***********************
* palazzo - die virtuelle Bastelwelt | http://www.blackbox.at/palazzo/ *
************************************************************************
Black*Box FirstClass BBS: +43-1-4073132 (Modem) | http://www.blackbox.at


Von: Johannes Zuber - Profil anzeigen
Datum: Mi 13 Mai 1998 00:00
E-Mail: jzu...@blackbox.at (Johannes Zuber)
Gruppen: at.blackbox.gruene.wien.diskussionen
Not yet ratedBewertung:

Optionen anzeigen
Antwort an Autor| Weiterleiten| Drucken| Einzelne Nachricht| Original anzeigen| Missbrauch melden| Nachrichten dieses Autors suchen

Toby Heinisch writes:
>Gustav Glaser writes:
>Und dagegen [ die traurigen aussichten]
>protestieren und provozieren sie, da geht der Rechtspopulismus ab und
>rein. Und einzig der Westerthaler in die Berufsschule.
>und wo bleiben die gruenen?
>(kein geld, keine leute?)
Der Ehre halber:
Der Chorher war bei uns in einer Berufsschulklasse und hat sich redlich
bemüht. Auch in der Sprache (Nach einem Roten und noch vor dem
Schwarzen ist er zweiter geworden in der Bewertungsskala ).
Er hat den Schüler auch versprochen, sich beim Edlinger dafür
einzusetzen, daß für sie Computer bereitgestellt werden (der ist ja
dann leider Finazminister geworden).
Und einen (1) Komputer haben uns die Grünen auch für einige Wochen zur
Verfügung gestellt. Dann mußte er zurückgegeben werden.
Also:
die tun was die Grünen :-)))
Tsu Ber
--
--


Ende der Nachrichten
« Neueres Thema - nachsatz ... Weiß jemand - Älteres Thema » Thema in at.blackbox.gruene.wien.diskussionen
Diese Gruppe durchsuchen