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Wien - Die Wiener FPÖ hatte es am Dienstagnachmittag wieder
einmal dringlich: Bürgermeister Michael Häupl solle Maßnahmen
setzen, "um den Zugang zum sozialen und geförderten Wohnbau
in Wien als auch zu den dadurch zugänglich werdenden Sozialleistungen
weiterhin vornehmlich der Wiener Bevölkerung als Staatsbürger
zu erhalten", wurde in einer dringlichen Anfrage gefordert.
Diese Dringlichkeit sieht Wiens Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP)
allerdings überhaupt nicht gegeben - er zieht im Standard-Gespräch
eine erste Bilanz über die nahezu komplette Öffnung der
Wiener Gemeindebauten
für Ausländer, die aufgrund einer entsprechenden EU-Richtlinie
umzusetzen war. Demnach haben nun auch Ausländer die nicht
aus einem EU-Land kommen, Anspruch auf eine Gemeindewohnung, sofern
sie den Richtlinien entsprechen und mindestens fünf Jahre in
Österreich lebten und arbeiteten. "Bis Ende Februar hatten
wir rund 2000 Telefonanfragen, 1000 persönliche Beratungen
und etwa 200 Vormerkungen", bilanziert Faymann. Geht das so
weiter, werden heuer rund 1200 Nicht-EU-Bürger einen Vormerkschein
bekommen haben. Es sei aber eher damit zu rechnen, dass sich die
Zahl bei etwa 1000 einpendeln werde.
"Die neuen Wohnungssuchenden werden vorwiegend für Drei-
und Vierzimmerwohnungen vorgemerkt", ergänzt Faymann.
"Und in diesem Segment beträgt die Wartezeit rund zwei
bis vier Jahre." Das heißt: "Schlagend werden diese
zusätzlichen Vergaben 2007, 2008." Gleichzeitig zeigte
sich aber, dass es "nicht die Ärmsten der Armen"
sind, die sich nun für eine Gemeindewohnung interessieren.
"In diesen Fällen ist die Begründung für den
Vormerkschein meist Überbelag", berichtet der Wohnbaustadtrat.
Deshalb auch die Vormerkungen für vorwiegend große Wohnungen.
Der Großteil dieser ausländischen Wohnungssuchenden verfüge
aber über "ein Erwerbseinkommen von an die 1800 Euro."
Eine Ursache dafür dürfte sein, dass die "ärmsten
der armen" Ausländer schon längst Zugang zu Gemeindewohnungen
haben: Über die Vergabe von "Notfallwohnungen" seit
den 90-er Jahren. "Unter diesem Titel haben wir ursprünglich
pro Jahr rund 1000 Wohnungen an In- und Ausländer vergeben",
erinnert Faymann. "Der Bedarf ist dann nach und nach auf jährlich
500 bis 600 Wohnungen gesunken. Im Vorjahr waren es sogar weniger
als als 500."
Faymann sieht daher insgesamt "keinen Grund zur Aufregung.
Rein von der Wohnungskapazität her könnten wir uns pro
Jahr bis zu 2000 Vormerkungen leisten." Er will aber auch "noch
nicht vollständig entwarnen. Es gibt immer noch einige, die
von der Öffnung noch nichts wissen."
Quelle: Roman David-Freihsl, Der
Standard
Printausgabe, 01.03.2006
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