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Ein Heimspiel für Alfred Gusenbauer: Hausmeister aus ganz Österreich
gaben dem SPÖ-Kanzlerkandidaten eine Moralinjektion für
das Wahlkampffinale
von Norbert Stanzel
Die Hausmeister. Für Heimito von Doderer mehr als bloß ein Berufsstand, für den Romancier hatten sie eine gesellschaftliche Schlüsselrolle: "Zu vermeinen, man könne in einem Wiener Hause leben bei bestehender Feindschaft mit der Hausmeisterin, ohne an Detailpeinigungen zu Grunde zu gehen, wäre damals ein Hirngespinst gewesen; und heute verhält sich's nicht viel anders."
Die Zahl der Hausmeister hat sich zwar von den Fünfzigerjahren
des vorigen Jahrhunderts, als Doderer seine "Wasserfälle
von Slunj"schrieb, bis heute alleine in Wien von rund 40.000
auf rund 20.000 halbiert. Aber der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten
weiß die Bedeutung dieser Berufsgruppe zu schätzen. Am
Mittwoch stand ein entsprechender Termin am Programm seiner Wahlkampf-Tour:
"SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer trifft Hausmeister
aus ganz Österreich." Den Rahmen gab ein Prestige-Bau
des "roten Wien" - die Bank-Austria Halle im SimmeringerGasometer.
Für Gusenbauer ein Heimspiel: Die Hausmeister-Gewerkschaft
ist tief rot. URCOOL Knapp 600 Hausbesorger haben sich eingefunden,
so mancher ist von dem modischen Ambiente überrumpelt: "Ja,
bist denn du denn deppert", entschlüpft es einer Mittvierzigerinangesichts
des riesigen Saales und der Lichtshow.
Die Erwartungen an "die Partei" und ihren Vorsitzenden
sind groß: "Ich will schon, dass mir meine Partei sagt,
wie es mit unseren Berufsstand weiter geht, nach dem die Regierung
das Hausbesorgergesetz abgeschafft hat", wünscht sich
ein beleibter junger Mann aus Wien Floridsdorf. Zwei Hausmeisterinnen
aus dem 20. Wiener Gemeindebezirk sind hingegen uneinig. "Der
Gusenbauer hat irrsinnig dazugewonnen," meint die eine: "Wie
er dem Schüssel im Fernsehen gesagt hat, ,Schau mir in die
Augen, Kleiner`, das war schon urcool." Unerwartet widerspricht
die andere: "Also ich find', der Schüssel hat schon Recht,
wenn er sagt, dass die Studenten fürs Studium was zahlen sollen.
Das gefällt mir nicht, dass der Gusenbauer die Studiengebühr
wieder abschaffen will."
Als die Stars des Nachmittags, Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer,
Bürgermeister Michael Häupl und Stadtrat Werner Faymann
eintreffen, verstummen die Diskussionen. Einpeitscher Faymann empört
sich über die Abschaffung des Hausbesorgergesetzes. "Wer
hätte sich's je gedacht, dass die Regierung im Gemeindebau
was zu reden hätt'? Aber leider gelten die Bundesgesetze auch
im Gemeindebau."
KEIN DRESSMAN Häupl nimmt wiederum die Konkurrenten aufs Korn.
"Am Sonntag wird kein Dressman gewählt. Grasser ist zwar
fescher, aber er hat eine beschissene Politik gemacht", lautet
sein Urteil über den Finanzminister. Dann Gusenbauers Standardwahlrede:
Es gehe um einen Neuanfang, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit,
die Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen. Und schließlich
folgt das, was alle hören wollten: "In dem Mietshaus,
in dem ich wohne, wurde der Hausbesorger gekündigt. Seither
zahlen die Mieter mehr, das Haus ist dreckiger und ich habe niemanden,
den ich ansprechen kann. Die Sozialdemokratenwerden nach der Wahl
dafür sorgen, dass es wieder ein Hausbesorgergesetz gibt."
Die Menge tobt vor Begeisterung. Auch der Hausbesorger aus Floridsdorf
ist zufrieden: "Das war gut. Ich denke, dass wir am Sonntag
die Nase vorn haben werden." Aber wie schrieb schon Doderer?
- "Ein Hausmeister weiß alles,manchmal aber doch nicht
so ganz genau."
Quelle: Kurier, Donnerstag, 21.11.2002, Seite 3
http://archiv.kurier.at/archiv/display.php3?PIC=testtextarch/j2002/q4...
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