Am Balkan, erste Reisestation

Brigittenau Gr”tzel Wien

Wie bei Inseln oft üblich: man betritt die Brigittenau über eine Brücke. Bis vor einigen Jahren gab es auch noch ein Fährschiff, das hat aber seinen Betrieb inzwischen eingestellt. Und wer möchte, der kann natürlich auch mit dem Schnellboot aus Bratislava anreisen, aber wir wollen die Dinge hier in der Reportagenmanufaktur nicht künstlich komplizieren. Und da die Brigittenau zusammen mit der Leopoldstadt eine Insel zwischen Donaukanal und Donau bildet, ist es wohl mit großer Wahrscheinlichkeit so, dass Besucher wie auch Einheimische die Brigittenau über eine Brücke betreten. Außer - also doch schon wieder eine Ausnahme! - man kommt aus der bereits ebenfalls erwähnten Leopoldstadt. Wer so anreist hat aber bereits eine der zahllosen Brücken passiert, bevor er den 20. Wiener Gemeindebezirk betreten hat.

Doch auch ohne die - städtebauliche Unterstützung durch Architekten und Stadtplaner, die einem Brücken gewissermaßen als Orientierungshilfe beistellen - merkt man sofort, dass man den Boden des zwanzigsten Bezirks betreten hat. So wie die portugiesischen Gastarbeiter, die nach zweitägiger Busfahrt von Deutschland nach Portugal die spanisch-portugiesische Grenze aufgrund des veränderten Geruches in der Luft erahnen, so wie eingeschworene Jazzer Miles Davis am ersten Ton, der aus der Trompete erschallt, erkennen oder so wie Schneebergbuchteln nur in der Zwischenstation am Schneeberg - und wirklich nur dort - nach Schneebergbuchteln schmecken, genau so erkennt man eben die Brigittenau.

Die Zahl der verschleierten Muslime sei höher, als es die Zahl der verschleierten Muslime in Ankara je gewesen sei, sagen die einen. Die Zahl der bereits vormittäglich Betrunkenen und somit torkelnden Fußgänger sei größer, als sie es in anderen Teilen von Wien je gewesen sei, sagen die anderen. Wie auch immer. Wer die Grenze zur Brigittenau überschreitet, der merkt es. Mit Sicherheit.

 

 

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