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Wie ich klein war, bin ich als richtiges jugoslawisches Kind aufgewachsen,
für mich war das alles ganz fein. Die Pioniere, Titos Geburtstag
und all diese Sachen. Irgendwie hatten wir es überhaupt nicht
schlecht. Besser jedenfalls als heute, na das ist ja nicht besonders
schwer, besser als heute. Aber auch damals waren wir fein raus.
Die Reisefreiheit, das große Land von den Alpen bis zum Meer...
Für die Ostdeutschen war das das Paradies, wenn sie auf Urlaub
gekommen sind. Die konnten das überhaupt nicht fassen. Aber
das ist nicht das was ich eigentlich erzählen wollte. Ich wollte
sagen, dass es damals einfach angenehm war und dass dich niemand
danach gefragt hat ob Du Bosnier oder Serbe oder sonstwas bist.
Es war sogar gar nicht so gut allzu viel über das Thema zu
reden.
Ja und später kam dann der Krieg. Da war es auf ein Mal wichtig
wer du bist. Und so bin ich draufgekommen, dass ich Kroatin bin.
OK, keine ganz echte, weil mein Vater Ungar ist. Aber das ist ja
egal, gegen die Ungarn hat ja hier niemand was. Aber wenn deine
Mutter Kroatin ist und dein Vater Bosnier, dann sieht das schon
ganz anders aus.
Aber ich komme schon wieder vom Thema ab. Ich wollte was vom Krieg
erzählen und wie er die allereinfachsten Dinge geändert
hat. Das ist nämlich viel beeindruckender als die sogenannten
großen Dinge, weil du es so direkt spürst.
Also: In unserem Haus haben nämlich früher Kroaten, Bosnier
und Serben gewohnt. Und wie Mostar dann von den Serben belagert
worden ist, da sind wir natürlich alle in den Keller gegangen.
Eines Tages war wieder Alarm, wir sind hinunter und haben gewartet,
dass alles vorbei ist. Und während wir warten, kommen wir auf
ein Mal drauf, dass niemand daran gedacht hat Kaffee mitzunehmen.
Also muss jemand hinaufgehen Kaffee holen. Ich habe im Erdgeschoss
gewohnt, für mich war es also am wenigsten gefährlich.
Als ich dann aber die Džeswa gesehen habe, war ich nicht mehr
sicher, ob es gut wäre den Kaffee in der Džeswa zuzubereiten.
Die Džeswa, das ist türkischer Kaffee und im
Keller waren auch Kroaten und Serben.
Seltsam. Unter Tito sollte man keinen Unterschied machen, und jetzt
war es auf ein Mal politisch wie man seinen Kaffee drinkt. Komisch.
Irgendwie war das viel eindrucksvoller als die Granaten.
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