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Der Termin ist
bereits lange ausgemacht, bereits von Wien aus haben wir telefoniert.
Ja, eine Reportage über Mostar wäre sicherlich interessant,
er würde mir gerne helfen und am besten wir träfen uns an
einem der zahllosen Cafes neben der Brücke. Die Revitalisierung
der alten Brücke, wäre schließlich das Prunkstück
der Stadt, Symbol für Mostar war sie immer schon, jetzt werde
sie außerdem zum Symbol der Wiedervereinigung. Was läge
also näher, wenn wir uns genau dort treffen würden. Der
freundliche Herr, der mir bei meinem Bemühungen den Alltag zu
verstehen so gerne helfen möchte, ist Angestellter der Stadt
und freut sich sichtlich einem Besucher aus Europa die Fortschritte
beim Wiederaufbau vorzuführen.
Also treffen wir uns am besagten Tag im besagten Cafe. Er ist mit
Begleitung gekommen, die hochrangige Vertreterin einer internationalen
Organisation mit Sitz in New York hat sich ihm angeschlossen. Sie
besichtigt einige der Projekte, die sie sonst nur vom Schreibtisch
aus betreut. Wir sitzen gemütlich im Schatten, Blick auf die
Baustelle, und trinken unseren Kaffee. Die beiden hören mir aufmerksam
zu, während ich die Grundthesen meiner Arbeit vorstelle: Mostar,
einstige Hochburg der Multikultulturalität, heute eine geteilte
Stadt. Sozusagen ein Symbol für die tiefe Spaltung, die Bosnien-Herzegowina
durchzieht.
Während ich meine Überlegungen vor den beiden ausbreite,
macht sich Verständnislosigkeit auf den Gesichtern breit. Man
beteuert mir, dass ich - der Ausländer - die Thematik falsch
anpacken würde. Mostar sei nicht geteilt, es gäbe zwar immer
wieder Versuche die Stadt in Lager zu spalten, aber das würde
nicht der Realität entsprechen. Der Krieg wäre ja schon
lange genug vorbei und jetzt würden die beiden Teile wieder zusammenwachsen.
Nicht problemlos, darin ist man sich einig, aber immerhin.
Meine Argumente zielen ins Leere: Immerhin gäbe es zwei Universitäten,
zwei, Orchester und zwei Energieversorger. Was bedeute denn Spaltung,
wenn nicht dies? In Europa wäre es jedenfalls nicht üblich,
dass Universitäten nach ethnischen Gesichtspunkten auseinanderdividiert
werden. Nein, nein, mein Herr, das haben sie alles falsch verstanden,
alles ist gut! Die Trennung wird uns von außen aufgepfropft,
das ist nicht Mostar! Journalisten bräuchten einfach Stoff
zum Schreiben und dort, wo sie keine Themen hätten, würde
sie einfach welche erfinden. Eine gespaltene Stadt, das wäre
natürlich ein interessantes Thema, da könne man viele Seiten
füllen. Über eine Stadt, die in Frieden lebt, will dagegen
keiner etwas wissen. Woher denn meine Informationen stammen würden?
Ich erzähle, dass ich Familie in Mostar habe, und dass die Schilderungen
meine Frau, die lange Zeit in Mostar gelebt hat, mein Interesse geweckt
hätten. Das Gesicht meines Gesprächspartners hellt sich
auf. Sie haben Familie in Mostar! Das ist ja ausgesprochen interessant.
Auch die amerikanische Begleiterin interessiert sich dafür. Ja,
es sei wichtig, dass die Einwohner selbst aktiv werden. Wichtig für
die Zukunft der Stadt. Sie erzählt von einer Journalistin, die
von hier stammt und jetzt im Ausland lebt. Auch sie sei gekommen,
um einen Bericht zu schreiben. Dann tritt wieder er ins Gespräch
ein, das angenehm vor sich hin plätschert. Plötzlich, gleichsam
nebenbei, fragt er mich, wie denn meine Frau heißen würde.
Bolius natürlich, wie ich, ist meine Antwort. Bolius? Der Name
stößt auf Unverständnis. Hier heißt niemand
Bolius. In mir steigt Widerwille hoch, warum ist der Name so wichtig?
Er antwortet, dass er nur wissen wolle, ob er meine Frau zufälligerweise
kenne. Aber auch der Namen ihrer Familie ist ihm unbekannt. Das sei
schade, denn es wäre immer nett alte Bekannte wiederzutreffen.
Unser Gespräch geht weiter, die New Yorkerin hat nicht gemerkt,
dass soeben meine ethnische Zugehörigkeit überprüft
wurde. Sie wird berichten, dass Mostar wieder zusammenwächst. |
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